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Sicherer geht’s nicht: Daten- und Warenströme in der globalen Verkettung

Jetzt werden auch weltweite Geld- und Warengeschäfte vollends digital. Und das in Echtzeit mit so gut wie keinen Transaktionskosten. Möglich machen dies das Internet und Millionen zu Blockchains verbundene Rechner. Werden sie nach dem Finanzsektor auch die Logistik und den Materialfluss revolutionieren? Für viele Experten ist es nur eine Frage der Zeit.

Vor der Jahrtausendwende hatte der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman prophezeit, dass es dank des Internets bald ein digitales Bargeld geben werde. Dies würde den schnellen und einfachen Austausch von Werten zwischen zwei Parteien ermöglichen und das in einem nahezu grenzenlosen Ausmass. Ahnte Friedman damals schon, dass die Bitcoins kommen würden? Dieses virtuelle Bargeld lässt sich mit Hilfe des Internets schnell und effizient verwalten, unabhängig von Geschäftszeiten, Ländergrenzen, Staaten und Banken. An die Stelle der Bank ist die Blockchain getreten, für viele der Blockbuster der Digitalisierung. Da lohnt es, genauer hinzuschauen und danach zu fragen, ob das eigentlich auch etwas für die Logistik ist.

Das digitale Geschäftsbuch im Netz

Im Englischen heisst Blockchain «Kette aus Transaktionsblöcken». Diese funktioniert wie ein digitales Geschäftsbuch, in dem sämtliche Transaktionen in einem Protokoll (der Blockchain) aufgezeichnet werden. Weil dieses Geschäftsbuch internet- und open-source-basiert ist, können alle Vertragspartner im Stile eines Peer-to-peer-Netzwerks direkt miteinander interagieren, ohne dabei auf eine zwischengeschaltete Instanz angewiesen zu sein. Jede einzelne Transaktion erhält einen eigenen Zeitstempel, ist durch kryptologische Verfahren abgesichert und wird mit der vorangegangenen Transaktion verknüpft. So verbinden sich alle Geschäftsvorgänge zu einer zusammenhängenden Kette.

Einzige Quelle der Wahrheit

Weil in der Blockchain keine vermittelnde Instanz gebraucht wird, sinken die Transaktionskosten gegen Null. Manipulationen, wie sie beim Hacken eines Zentralservers denkbar wären, sind nach Überzeugung von Cyber-Kriminalitätsexperten wegen der Vielzahl der involvierten Rechner so gut wie unmöglich. Sie sehen im Blockchain-Protokoll deswegen eine «Single Source of Truth» («Einzige Quelle der Wahrheit»).

Logistikexperten der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers sehen deswegen in der Blockchain einen idealen Katalysator, der «cyber-physical logistics systems» und Logistik 4.0-Anwendungen durch besseres Daten-Handling und einen höheren Grad der Prozessautomatisierung zum Durchbruch verhelfen  kann. Dafür würden allein schon die erheblichen Effizienzgewinne sprechen.

IBM arbeitet beispielsweise gerade daran, den bürokratischen Aufwand in der Containerlogistik zu minimieren. Alle Informationen über Ladung, Standort und die Überwachung der Fracht und ihrer Wege sollen künftig fälschungs- und manipulationssicher online per Blockchain verfügbar sein. So würde sich auch jeder Container selbst über die Blockchain verwalten können.

Revolution auf Raten

Das klingt alles schon sehr spannend. Doch die PwC-Experten treten auf die Erwartungsbremse: «Auch wenn viele Anwendungsfälle vorstellbar sind – die Blockchain wird die Logistik nicht von heute auf morgen revolutionieren. So ist in rechtlicher Hinsicht noch ungeklärt, wie sich die Blockchain in das bestehende Vertragsrecht integrieren lässt.» Es gebe auch noch technische Hürden zu nehmen, etwa in der störungsfreien Zusammenarbeit verschiedener «Ketten» oder beim Datenschutz. Doch in einem sind sich die Experten einig: Der Siegeszug der Blockchain ist auch in der Logistik nur eine Frage der Zeit.