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Die Komplexität wächst in vielen Dimensionen gleichzeitig

Logi(sti)sche Lösungen für bewegte Zeiten: Michael ten Hompel ist geschäftsführender Leiter des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik und Inhaber des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen an der TU Dortmund.

Logistik quo vadis? Fragen an Professor Michael ten Hompel, Institutsleiter der Fraunhofer Institute für Materialfluss und Logistik (gf.) und für Software und Systemtechnik sowie Ordinarius des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen (FLW) an der TU Dortmund.

Lange hatte Logistik in Unternehmen vor allem eine Aufgabe: den Transport von A nach B. Was muss Logistik heute noch alles leisten?

Prof. Michael ten Hompel: Logistik bedeutet, Dinge vernünftig zu bewegen. Dazu gehören Waren und Güter, aber auch der Verkehr auf der Strasse. Bei den Supply Chains sprechen wir vom Management aller logistischen Vorgänge entlang der Versorgungsketten vom Lieferanten bis zum Verbraucher. Und das Ganze mit dem Ziel, den Kundennutzen über den Einsatz von Netzwerken effizient zu steigern.

 Welche Rolle spielen dabei im Zeitalter der Digitalisierung die Daten?

Prof. Michael ten Hompel: Logistik geht mehr denn je mit einer umfangreichen Informationslogistik einher. Schliesslich wächst die Komplexität der Aufgaben in vielen Dimensionen gleichzeitig: Beispielsweise die Strukturkomplexität in den Systemen und Netzwerken genauso wie die Datenkomplexität. Wir sprechen von einem Datenwachstum um den Faktor 1.000 pro Jahrzehnt.

Das Internet der Dinge und Industrie 4.0 zählen zu den Treibern der Veränderung in der Logistik. Was bedeutet dies für die Gestaltung zukunftsfähiger Prozesse?

Prof. Michael ten Hompel: Nach der Industrialisierung und Automatisierung stehen wir mittlerweile vor der Autonomisierung der Maschinen. Die Grundlage dafür schafft das „Internet der Dinge“. Im Zeitalter der 4. Industriellen Revolution fangen Dinge nicht nur an zu denken, sie lernen auch miteinander zu kommunizieren und eigenständig zu agieren. Dabei müssen autonome Systeme allerdings mindestens so schlau sein wie die Systeme, die sie ersetzen.

Den Akteuren in der Logistik sinnvolle Entscheidungen vorschlagen

Was heisst dies für die Systementwickler?

Prof. Michael ten Hompel: Wir dürfen also keine Systeme entwickeln, die nicht mehr in der Lage sind, sich in die bestehenden Systeme zu integrieren und dadurch einen entscheidenden qualitativen Schritt weiterzugehen. Wenn beispielsweise ein eigenständig fahrendes Transportfahrzeug in ein Lager kommt, muss es selbstverständlich in der Lage sein zu erkennen, in welcher Umgebung es sich befindet und sich mit den dort vorhandenen Systemen zu verbinden, zum Beispiel SAP. Sonst werden sie keinen Erfolg haben.

Die Autonomisierung klingt verlockend. Aber wo bleibt dabei der Mensch?

Prof. Michael ten Hompel: Wir müssen IT-Systeme immer so gestalten, dass sie den Akteuren auch logistisch sinnvolle Entscheidungen vorschlagen. Der Mensch soll dabei gar nicht rausgenommen werden. Im Gegenteil. Die Informationen müssen für ihn so vorbereitet werden, dass er auf dieser Grundlage überhaupt sinnvoll entscheiden kann.